Lolland


Ein weiterer Sonntag auf Lolland. Der Herbst kündigt sich unübersehbar an, die Tage werden merklich kürzer, der Wind fegt über die unendlichen Stoppelfelder vor dem Haus und rauscht im Wald hinter dem Haus.

Und genau rechtzeitig zum Herbst wurde auch das Erntebier fertig. Am Donnerstag habe ich die erste Charge, ca 25 hl (= 2500 ltr) filtriert und um die Fassfüllanlage auszuprobieren, gleich mal 5 kleine Fässer abgefüllt. Das Bier erfreut sich eines regen Zuspruchs (und es schmeckt auch ausserordentlich gut) , am kommenden Freitag ist auf Krenkerup Gut das Ernteabschlussfest, da müssen noch ein paar mehr Fässer abgefüllt werden.

120 hl Pilsner habe ich auch schon in den Lagertanks und was man nach 2 Wochen Lagerzeit sagen kann ist (in meinen Worten): Öha, sauber, nicht zu verachten, dabei sollte man länger verweilen.

Seit letzter Woche gärt und blubbert das Weissbier vor sich hin und verbreitet ein verführerisch-herzzerreissenden Duft, der meilenweit von dem Erdinger-Franziskaner-Plempel entfernt ist. Am Montag und Dienstag mache ich noch zwei weitere Weissbiersude und danach wird’s Zeit für Julebryg, das Weihnachtsbier. Es wird Bockbierqualität haben, also 6,0 – 6,5 % Alkohol, dunkelrotbraun glänzen und – so will’s der Däne gerne – nach Lebkuchengewürz duften.

Ich setze mal ein Bild rein, wo ich vor dem Sudkessel stehe und Hopfen – Hallertauer Nordbrauer – in den Sud gebe.

Sachte rieselt der Hallertauer Hopfen

Sachte rieselt der Hallertauer Hopfen

Auch im Leben von Frl Boria und ihrem Sandkastengefährten Ulrich hat sich wieder einiges getan. Die ganze Fülle eines unberechenbaren Lebens ist über sie hereingebrochen. Wie immer haben sie alle alle Unabwägbarkeiten des Schicksals mit einem Achselzucken gemeistert.

Es folgt der fünfte, sechste, siebte und achte Teil ( von geschätzten 523.)

5. Teil

Weil das Medizinstudium, das er inzwischen aufgenommen hatte um die tiefen Wunden im Bein seines Vaters zu heilen, Ulrich keinesfalls auslastete begann er – unendlich filgran – sich eine Modelleisenbahn aus einer Runkelrübe zu schnitzen. Sie lief mit Gleichstrom und konnte pfeifen und tuten und sogar kurze Strecken unter Wasser zurücklegen. Dafür entgleiste sie an jeder Weiche, die Ulrich aus steinhartem Mürbteig tausendstelmillimetergenau herausgefräst hatte. Als die Zeit gekommen war, um zu promovieren, und Ulrich durch seine Doktorarbeit einmal eine Minute lang abgelenkt war ( der Kugelschreiber war ihm heruntergefallen) fuhr der hinterhältige Grasfrosch mit dem Runkelrübenzug auf und davon. Wahrscheinlich – vermutete Ulrich seufzend – fuhr er in die weite Welt hinaus. In Wirklichkeit jedoch nur bis zur nächsten Weiche.

Ulrich, jedoch, promovierte wieder einmal spielend mit suma cum laude mit folgender Arbeit: „Über die Vernachlässigbarkeit von Brandlöchern in den vorderen linken und rechten Stirnlappen.“

Eine Arbeit, die in Fachkreisen für viel Aufsehen sorgte. Ulrich wurde von Seminar zu Seminar, und von Kongress zu Kongress durchgereicht, was ihn zeitlich so in Anspruch nahm, dass er – wie er sich schmunzelnd eingestehen musste – sowieso kaum Zeit gehabt hätte, mit seiner Modelleisenbahn zu spielen.

6. Teil

Nachdem Ulrich der Job als Landwirtschaftsminister eines grossen mitteleuropäischen Landes ( unter der harten Knute der eisernen Kanzlerin A. v. M.) zu langweilen begann, liess er sich – während der Dienstzeit! – zum Vorwerck-Vertreter umschulen. Das erwies sich als schwieriger als erwartet. Obwohl sein Schreibtisch, seine Aktenablage, seine Konferenzsesselgarnitur, seine Kreissäge, seine Blechstanze, sein Hammerwerk- kurz, sein gesamtes Ministerialbüro – mittlerweile von einer fingerdicken Staubschicht bedeckt war, gelang es Ulrich nicht, auch nur ein Gran Staub einzusaugen. Seine Sekretärin, Frl. Doria, die gleichzeitig sein vielbestauntes Kebsweib war, brachte ihn mit ihrem Vorschlag, erst einmal Steckdosen im Ministerium zu installieren, einem erfolgreichen Staubsaugervertreterkursusabschluss einen beträchtlichen Schritt näher. ( Und Ulrich konnte am Ende als Lehrgangsbester ein weiteres goldumrandetes Diplom einheimsen.)

Da das Landwirtschaftsministerium in einer riesigen Staubwolke verschwunden war und auf Monate hin unauffindbar blieb, hatte Ulrich Zeit, auf Wanderschaft zu gehen und Staubsauger, Beutel, Saugdüsen sowie weiteres Zubehör, das sich einigermassen passgenau aus Runkelrüben schnitzen liess, vor den Haustüren der Nation anzupreisen

In der Praxis musste sich Ulrich erst noch bewähren, denn es fiel ihm schwer, den Schmerz jener Menschen zu verstehen, in deren handgeknüpfte Perser er zeitungsblattgrosse kahle Stellen fräste oder denen das Verschwinden ihrer Hauskatze im neuen Maxi-Power-Saug nicht egal war. Wenn er ihren Schmerz auch nicht nachvollziehen konnte, so bekam er doch grossen Respekt vor ihrer Wut.

7. Teil

Wegen seiner grossen Verdienste für die Reinheit der Nation wird Ulrich auf Betreiben der Kanzlerin ( Kanzlerin der Reinheit) an’s Finanzministerium versetzt. Da wird er – als Einserjurist – mit einer Reform des Verwaltungsapparats beauftragt, was gleichzusetzen ist mit der Aufgabe, den Kantinenwochenplan juristisch wasserdicht abzufassen. Bei dieser Aufgabe fällt Ulrich auf, dass dieses Jahr, bei unverändertem Verteilermodus, der wöchentliche Betriebsausflug zweimal nach Acapulco führen würde. Eine Wiederholung, die die entsetzliche Langeweile, die im Ministerium herrschte, auf ein unerträgliches Mass steigern würde. Als Ulrich die zweite Acapulco-Fahrt durch einen Radausflug in den Spreewald ersetzt, kommt es auf Abteilungsleiterebene zu fragenden Blicken, die leicht in offen geäusserte Kritik hätte umschlagen können. Bevor es jedoch zu tumultartigen Szenen wie lautes Türenknallen und Papierkorbtreten kommen konnte, gebot Ulrich dem mit einem ruckartigen Heben und langsamen Senken seiner Augenbraue Einhalt.

Ulrich hatte ja – wie bekannt – die Jagdgehilfenprüfung mit einem Schnitt von 4,49 klar bestanden, und war somit berechtigt, ständig zwei geladene, grosskalibrige Waffen mit sich zu führen. Zahlreiche Einschüsse in Decken und Wänden des Ministeriums zeugten davon, dass Ulrich dieses Recht die Waffen zu führen, eigenhändig um das Recht erweitert hatte, die Waffen bei jeder Gelegenheit auch auszuprobieren. Aus alter Gewohnheit hatte er in jedem Stiefelschaft 2 scharfgeschliffene Wurfmesser stecken, im Gürtel steckte ein ellenlanger Ochsenziemer und der Stachelstern seines Streitkolbens, den er hinter sich herschleift, hatte schon zehentiefe Rillen im Walnussparkett der Ministeriumsflure hinterlassen.

8. Teil

Frl. Boria lag wieder einmal völlig desorientiert auf dem weichen Rasen beim Seerosenteich. Mit einem Unbekannten hatte sie Täler und Höhen des ewigen Spiels von Mann und Frau durchschritten. Von den Gipfeln höchster entfesselter Rattigkeit hinunter in die Täler tiefster Leidenschaft und wieder sanft hinübergleitend zu den rosa Hügeln schmachtender Romantik.

Der Fremde, der sich im kurzen Moment höchster Wollust knapp als „Steineier“ vorgestellt hattte, hatte eine lächerlich kleine Brille auf und selbst noch in den abklingenden Zuckungen eines für ihn wohl schmerzhaften Orgasmusses hielt er die Augenbrauen zu einem eulenhaften Glotzen hochgezogen.

Als sie nach 6 Stunden anfing des Liebesspiels überdrüssig zu werden, stellte Frl. Boria dem nun unerwünschten Gast die üblichen Forderungen. Aber auf erstens, bring mir eine Schlosspackung Staubsaugerbeutel, hatte er weinerlich geantwortet, das könne er nicht, die halte seine Frau, die hochgeschätzte Frau Steineier, unter strengster Verwahrung, und auf zweitens, bring mir den Kopf von Angela Kanzlerin von Merckel, war er wimmernd zusammengebrochen und mit angstverzerrtem Gesicht, tränenüberströmt, geflüstert: Das traue er sich nicht!

Ach, seufzte sie wehmütig, während sie wieder in ihre weisse Latzhose schlüpfte, wie so ganz anders hätte ihr Sandkastengefährte Ulrich reagiert.

Als Steineier nicht aufhören wollte, hemmungslos zu wimmern und bereits anfing sich mit blossen Händen ein Rasengrab zu schaufeln, kramte sie aus ihrem Botoxpompadour eine gefüllte 10 ml-Spritze hervor und vergrösserte seine dünnen Lippen auf das Dreifache. Nun passten sie für einen – wenn auch kleinen – Lippenpflock, den sie seit Jahren in ihrem Lippenpflockpompadour mit herumschleppte. Und auf Stimmigkeit der gesamtpersönlichen Erscheinung bedacht, flocht sie ihm aus Schilf vom Seerosenteich ein Ton in Ton gemustertes Penisfuteral – 2 Meter lang – , das sie ihm sogleich anlegte.

Nicht ohne Interesse, wenn auch distanziert, schaute sie dann zu, wie er im Gras nach seiner klitzekleinen Brille suchte und dabei immer wieder über sein Penisfuteral stolperte oder gar darauf herumtrampelte. Und als ihm seine Leibwächter dabei helfen mussten, – mit dem Futeral, aber ohne Hose – auf den Rücksitz seiner Dienstlimousine zu klettern, gelang es ihr gerade noch ein Gähnen zu unterdrücken. Es gelang ihr jedoch nicht mehr, als sie ihm beim Wegfahren kurz nachwinkte.

Dann wandte sie sich wieder voller Hingabe der Tätigkeit zu, bei der sie durch die Ankunft des Fremden unterbrochen worden war: Dem Polieren und Wienern einer leeren Sauerkrautdose, die zufälligerweise die Grösse von Angela Kanzlerin von Merckels Kopf hatte.

Tja, so spielt das Leben. Ob auf Lolland oder anderswo ….

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Heute ist ein richtiger dänischer Sommertag auf Lolland. Sonnig, windig, warm. Strahlend blauer Himmel von Hydesby über Rosenlund bis Døllefjelde. In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass hier an vielen Häusern Stockrosen wachsen, auch an unserem Haus haben uns unsere Vorgänger eine kleine Zeile hinterlassen. Sie sind schon z.T. 2 Meter hoch und ich habe sie festgebunden, weil sie sonst der Wind knickt. Ausserdem habe ich sie abgemalt. Mal schauen ob ich das Bild jetzt richtig einfügen kann.

Die hohen Stockrosen, die gerne von Hummeln besucht werden.

Die hohen Stockrosen, die gerne von Hummeln besucht werden.

Scheint zu klappen. Aber das Bild ist ein bisschen blass.

Naja, schreib ich mal weiter.

Mit zur Hochsommerstimmung trägt auch bei, dass schon die ersten abgeernteten Getreidefelder zu sehen sind, meistens Gerste, Wintergerste. Die Sommergerste, die Braugerste, braucht noch ein bisschen länger. Sobald die Brauerei abgenommen ist, übernächste Woche, soll ich u.a. auch ein Erntebier, das auf dänisch høst øl heisst, brauen. Es soll das Malz aller Getreidesorten, also Gersten-, Weizen-, Roggen- und Hafermalz enthalten, aber nicht zu stark sein, sondern ein leichteres Sommerbier mit 10% Stammwürze und 4,2% Alkohol. Das ist wieder einmal eine schöne Aufgabe. Das Hafermalz war gar nicht so leicht aufzutreiben, ich habe schliesslich 50 kg von einer kleinen Mälzerei in England bekommen, die des für oatmeal stout mälzen. Dazu kann ich wieder ein Bild reinhängen:

Hafermalz und Rauchmalz für's høst øl.

Hafermalz und Rauchmalz für's høst øl.

Das Rauchmalz nehme ich auch mit dazu, weil es dem Bier einen guten Körper gibt. Der Rauchgeschmack kommt dabei nicht durch, weil ich nur ca 5% zugebe. Der grösste Teil wird Wiener Malz sein, das gibt dem Bier eine golden-hellbraune Farbe. Bei einem Bier mit so niedriger Stammwürze ist es wichtig, dass es einen guten Körper hat und nicht wässrig schmeckt.

Links das Hafer-, rechts das Gerstenmalz

Links das Hafer-, rechts das Gerstenmalz

Und so sieht mein Malzlager aus: In einem der grossen Säcke sind 600 kg, reicht für 2 Sude.

600 kg Pilsner Malz sind in jedem der grossen Säcke.

600 kg Pilsner Malz sind in jedem der grossen Säcke.

Genug gebraut. Schliesslich hat Ulrich in der Zwischenzeit auch etwas erlebt:

Ulrich, der inzwischen eine Stelle als Landwirtschaftsminister angetreten hat, ist gerade dabei seinen Vater aus der Bärenfalle zu befreien, als ein Telgramm eintrifft:

An Boria von Tuntentaxi +++ Dringend+++Eilt!!!!+++Wichtig. Ulrich wollte es gerade wegwerfen, als er stutzte. Wer wagte es, ihn mit einem fremden Namen, (der ihm jedoch bekannt vorkam), anzusprechen bzw anzuschreiben. Er buchstabierte weiter, was da auf dem Zettel stand. Als die Sonne nur noch eine Handbreit über dem Horizont stand und das laute Klagen seines Vaters längst in ein unartikuliertes Wimmern übergegangen war, hatte er den Text entziffert und auch einigermassen verstanden: Eilt. Dringend. Wichtig. Wertes Frl v. T., danke fuer die Einladung zum Tee. Stop. Ankomme baldigst, spaetestens abends, ggf. morgens, sonst evtl noch spaeter. Stop. Abholung Bahnsteig oder Bushaltestelle erbeten. Stop. Angela Kanzlerin v. Merckel.

Ulrich runzelte die Stirne. Wer war diese Person, die ihn da mit falschem Namen ansprach und sich im gleichen Atemzug selbst zum Tee einlud? Er glaubte sich zu erinnern, dass die Teekanne seit Jahren leer war und auch der Tee in der Tasse daneben war doch längst eingetrocknet. Hatte sich nicht sein Vater einen Tee aufgebrüht, ehe er zur Bärenjagd aufgebrochen war. Das war vor ca 3 -5 Jahren gewesen.

Er blickte auf seinen Vater im Fangeisen hinab, dessen gebrochene Augen schon beträchtlich an Glanz verloren hatten. Sah er nicht ermattet und leidend aus? Sein eigener Vater, dem Tode geweiht!

Schnell bückte er sich und befreite ihn aus dem schmerzhaften Griff der eisernen Fangzähne, die schon bis auf den Knochen gebissen hatten. Erleichtert seufzte der alte Mann auf. Und Arm in Arm, scherzend und singend, wanderten sie auf dem fast vergessenen, gleichwohl vielbegangenen Pfad, der vom Park geradewegs in eine übelbeleumundete Kascheme führte.

Aus dem Blattdickicht funkelte ein Paar roter Froschaugen hinter ihnen her.

Soweit der 5. Teil meines bisher unveröffentlichten Romans. Der 6. Teil leitet eine dramatische Wende ein.

Und zum Schluss noch:

2 Blüten mit Insekten

2 Blüten mit Insekten


Regen auf lolland ist an sich nicht der Rede wert, denn auf einer Insel regnet es immer wieder mal. Eine Wolke zieht darüber und entweder -platsch! alles ist schlagartig nass, oder -piesel, piesel! alles wird so nach und nach nass. Aber das geht auch nach kurzer Zeit vorbei, weil die Wolke ja weiterzieht. Ganz selten, dass es mal einen ganzen Tag lang regnet ohne dass wenigstens einmal der blaue Himmel durchblitzt.

Für einen Binnenländer ist dieses Wetter aber trotzdem nicht so leicht einzuschätzen. Freitag und gestern war sehr regnerisch, und heute morgen schien es so weitermachen zu wollen, also fuhren wir nicht nach Maribo (nicht verwandt oder verschwägert mit Haribo oder Maribor) zum Jazzfestival sondern kramten unsere Hausarbeiten hervor. Die Dani ihre Stricknadeln und ich Papier, Bleistift und Pinsel.

Erst einmal habe ich wieder Möwen gemalt:

Dann habe ich weiter an meinen fränkischen Adress- und Telefonbuch gearbeitet.

Und für B wie Bamberg, Bier und Biergarten (der in Bamberg aber Bierkeller heisst) nehme ich dieses Bild:

Dann ist mir für den Frankenwald, wo sich bekanntlich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen wieder ein altes Motiv eingefallen. Ein Fuchs und ein Hase sind schnell auf Packpaier gemalt und eingescannt. Das Mondlicht habe ich mit dem Gimp-Pinsel gemalt.

Den Hintergrund habe ich auch mit Gimp gestaltet. Könnten Fuchs und Hase stilvoller Gute Nacht sagen?

Und der Packpapieruhu schaut auch in's Land hinaus

Und der Packpapieruhu schaut auch in's Land hinaus

Inzwischen ist wieder strahlend blauer Himmel mit ein paar weissen Tupfern auf der Lolland-Ostseite, schaut man aber auf die Westseite kommen schon wieder tiefe graue Wolken dahergerumpelt. Dem lustigen Lumpi wird’s auch langsam zu blöd. Raus aus der Hütte, rein in die Hütte. (Er ist nämlich der Prototyp des Ausser-Haus-Hundes)
Vielleicht sollte ich noch ein paar Zeilen für meinen Frl. Boria – Roman schreiben. So endete der letzte Teil:

Nachdem seine Schmerzenschreie in der Weite des Parks verhallt waren und sich eine graugelbe Rauchdecke wie Abendnebel auf der glatten Oberfläche des Seerosenteichs ausgebreitet hatte, musste Ulrich seine Gedanken neu ordnen.

Aber schon drangen neue Forderungen auf ihn ein: „Bring mir den Kopf von Angela Kanzlerin von Merckel!“

Und damit nicht genug:

„Und eine Schlosspackung Staubsaugerbeutel“

Und jetzt setzt die Fortsetzung ein:

Da meldete sich auch der Grasfrosch – der sich natürlich nur totgestellt hatte – zu Wort:

„Sollten wir nicht vorher eine Weltreise unternehmen? Wir könnten unsere Bobbycars nehmen, dann geht es schneller.“

Oh, wie glänzten da die Augen, alle Niedergeschlagenheit war wie weggeblasen, alle Last von den Schultern geworfen. Ulrich versuchte sich zu erinnern, wo er sein Bobbycar geparkt hatte. Hinterm Haus? In der Tiefgarage? Im Halteverbot? Es gelang ihm nicht. Denn das Flammeninferno, das ihm seiner gepflegten Nasenhaare beraubt hatte, war auch, wie in einem Kamin, die Nasenlöcher hochgetobt, und hatte 2 nicht unerhebliche Löcher in die schlaffe graue Masse gebrannt, die mitten im Wege lag. Es war genau diese Masse, die Ulrich für sein Gehirn hielt und mit der er auch zu denken versuchte. Die beiden verkohlten Löcher beeinträchtigten diese Fähigkeit jedoch nicht im geringsten.

Er sah den Frosch jubeln, er sah Frl. Boria jubeln, und hatte nicht den blassesten Schimmer was hier vorging. Folglich jubelte er auch mit. Vergessen war sein Vater, der im hinteren Teil des Parkes mit dem Fuss im Bäreneisen hing, die Jagdgehilfenprüfung, die morgen anstand, das zweite juristische Staatsexamen ( das er -um vor zu greifen – mit suma cum laude abschliessen wird), das er übermorgen zu absolvieren hatte.

Auch Frl. Boria war hingerissen vom Gedanken einer Weltreise. Da konnte sie unterwegs bequem den Kopf von Angela von Merckel entsorgen. Sie brauchte auch nicht mehr ihr ganzes Schloss zu saugen. Sie würde die ganze Welt sehen, und die würde ihr zu Füssen liegen. Verträumt lächelnd fischte sie nach den Bobbycarschlüsseln in ihrem Rauschkrautpompadour. Wo waren die Schlüssel nur?

Das Quietschen von Reifen und ein höhnisches Lachen riss sie aus ihren Gedanken. Da sauste der wie besessen strampelnde Frosch in ihrem Bobycar die Parkallee hinunter, seine grüner Schal wehte im Fahrtwind, und bevor er auf die Schnellstrasse, die in die weite Welt führte, einbog, winkte er noch einmal zurück.

Ein letzter, eiskalter Blick, der seine grüne Amphibienhaut zum Runzeln brachte und rote Pusteln hervorrief, traf ihn noch, bevor er entschwand.

(Hier endet der zweite Teil des 19. Kapitels)

Der dritte Teil handelt vom Versuch Ulrichs, ein weltweites Kuriernetz mit Hilfe von Kleidermotten und Schwarzen Waldameisen zu etablieren. Ein Unterfangen, das er mit dem Verlust seiner gesamten Korrespondenz und seiner Garderobe bezahlt, ihm aber dennoch den so heiss ersehnten „Dr. rer. nat.“ einbringt. Frl. Boria findet inzwischen eine leere Sauerkrautdose, in die der Kopf von Kanzlerin von Merckel genau hineinpasst.

Alles in allem war dies ein kreativer regnerischer Sonntag auf Lolland. Zum Abschied noch 2 Hagebutten aus meinem carnet-projekt:

Montag ist Nachtragstag auf Lolland:

Ich habe ja ganz vergessen zu erwähnen, wo die grossen und kleinen Steine herkommen auf Lolland: Die haben die Gletscher der Eiszeit von Schweden herangeschleppt, deswegen sind sie alle ziemlich rundgeschliffen oder sehen zumindest eiförmig aus. Die kleine interessant gemaserten Steine sind meistens Feuersteine oder Flintsteine. Alles was weicher war, wie zB Sandstein wurde längst zu Staub zermahlen.

Der heutige Beitrag hat diesmal nichts mit den Lolländern zu tun, sondern mit mir.

Genauer: Mit meiner unstillbaren Sehnsucht nach einem eigenen Buch. Zuerst dachte ich an einen Roman, der aber viel Schreibarbeit kostet. ( Wie Karl Valentin sagte: Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.) Damit ich aber nicht die ganze Schreibarbeit alleine machen muss,  habe ich mir gedacht, dass der Buchkäufer auch seinen Teil der Schreibarbeit dazu beitragen soll. Also schreibe ich ein Adress- und Telefonbuch.

D.h. es wird ein carnet, wie der Franzose sagt. Es wird teils geschrieben und teils gemalt. Ich weiss, ich weiss, im Zeitalter der Handies und der gespeicherten Nummern ist sowas nicht mehr überlebensnotwendig. Aber es ist schön und macht viel Arbeit. Es hat auch ein Motiv, und das ist Franken. Es ist halt was, das man anschauen und auch benutzen kann. Es ist für die Ästheten unter den 4 Mio Franken und 76 Mio Nichtfranken gedacht, die restlich 6 Mia jetzt einmal ausser Acht gelassen (u.a. wegen der langen Anreise).

Zu jedem Buchstaben/Seite gibt es ein paar Skizzen/Bilder o.ä. Am besten ich zeig mal meine Entwurfskizze:

Ob’s mit diesem Bild nach dem Hochladen hinhaut, weiss ich nicht, schau mer mal.

Und das ist der Roman, der wegen der schwierigen Arbeit am Carnet höchstwahrscheinlich nicht rechtzeitig zur Buchmesse fertig wird. Nachfolgend der literarische Höhepunkt, der gleichzeitig eine Schlüsselszene meines Romans ist:

Sie hatte die Frage seit Jahren erwartet und doch kam sie überraschend, wie ein Blitz aus heiterem Himmel:

„Wollen Sie meine Frau werden, Fräulein Boria?“

Boria, Fürstin von Tuntentaxi, Ersatzgräfin von Niedrigwasser-Deichbruch, Erbtante von Gelsenkirchen, suchte verwirrt nach einer passenden Antwort. Wie immer nach heftigem Liebesspiel war sie etwas derangiert.

Was wollte der junge Mann neben ihr, der ihr so fremd und doch so nah war? Er knöpfte gerade seine weisse Hose zu und schlüpfte in weisse Sandalen. In die Försterjacke steckte er ein Spatel, um den Hals hängte er ein Stethoskop und ein Fernglas. Auf den Kopf setzte er einen Jagdhut an den vorne eine silberne CD angebracht war.

Um etwas Zeit zu gewinnen zertrat sie den kleinen Grasfrosch mit ihrem grossen, etwas verhornten Zeh. Vielleicht hätte der eine Antwort gewusst? Zu spät, ach, zu spät. Eben noch war er munter durch’s Leben und Gras gehüpft, nun hauchte er sein unschuldiges Leben vor ihren Füssen aus.

Sie seufzte tief und bemerkte den jungen Mann an ihrer Seite, der sie fragend anstarrte, während sie wiederum auf seine wildwuchernden Nasenhaare starrte.

Hatte er sie etwas gefragt? Wer war er überhaupt? Hatte er sich nicht als ihr Nachbar und Sandkastengefährte Ulrich vorgestellt, oder war er der Vorwerck-Vertreter, der sie immer wieder besuchte. Hatte sie noch genug Staubsaugerbeutel zuhause?

Sie seufzte noch einmal und sagte – um Zeit zu gewinnen: „Vielleicht!“

Sie erinnerte sich ihrer guten Erziehung, die eine so knappe Antwort nicht gutheissen konnte, und so setzte sie schnell hinzu: Vielleicht aber auch nicht.“

Bei einem kurzen Seitenblick auf den Mann neben ihr sah sie, dass er mit tränenumflorten, glasigen Augen auf den See hinausstarrte.

War sie zu kokett gewesen? Oder zu stürmisch. Sie setzte sich aufrecht hin und fragte: „Könnten Sie Ihre Frage in den wichtigsten Details etwas präzisieren?“

Ein Ruck ging durch seinen schlanken Körper. Das war anscheinend die Sprache, die er verstand.

Sie spürte wie sein Gehirn anfing zu arbeiten. Um ihm Zeit zu geben, kramte sie in ihrer Rauschkrautpompadour, stopfte sich eine gehörige Portion in ihre Haselnusspfeife und zündete sie an. Während sie hellblaue Wolken in den Abendhimmel emporsteigen liess, spürte sie wie er um Worte rang. Um ihn dabei zu ermuntern – und gleichzeitig zu verschönern – beschloss sie seine Nasenhaare abzufackeln.

Sie holte das Feuerzeug aus der Pompadour, klickte es an und hielt es unter Ulrichs Nase. Knisternd und Schnupftabakaroma verbreitend fingen die Haare Feuer und erhellten Büsche und Bäume. An den Nasenflügeln vorbei, die Wangen hinauf leckten die Flammen zu den buschigen Augenbrauen, die weit vorne auf den ausgeprägten Augenbrauenwülsten sassen, und sprangen schliesslich über auf das tief in die Stirn wachsende Haupthaar.

Nachdem seine Schmerzenschreie in der Weite des Parks verhallt waren und sich eine graugelbe Rauchdecke wie Abendnebel auf der glatten Oberfläche des Seerosenteichs ausgebreitet hatte, musste Ulrich seine Gedanken neu ordnen.

Aber schon drangen neue Forderungen auf ihn ein: „Bring mir den Kopf von Angela Kanzlerin von Merckel!“

Und damit nicht genug:

„Und eine Schlosspackung Staubsaugerbeutel“

Das ist also der erzählerische Höhepunkt meines Romans, der bewusst Elemente aus Förster- und Adelskreisen, Liebeslust und Liebesleid enthält, die Business- und Drogenproblematik anspricht, die verzweifelte Lage der Amphibien ausleuchtet und dann ins Politkrimigenre hinüberwechselt.

Zum carnet skiziere, male und überlege ich z.Zt einzelne Bilder, typische Ansichten, Orte, Motive, Biere und Tiere aus Unter-, Ober- und Mittelfranken, das schaut dann so aus

oder so

Das sind jetzt mehr einfach nur Details als Gedächtnisstütze. Später werden sie dann in einen Zusammenhang gestellt.

Es geht nicht sehr schnell voran, aber ich habe ja Zeit. Ausserdem muss ich zwischendurch Bier brauen und auch trinken.

Auf Lolland gibt es massig Steine, kleine und grosse. Kleine Steine heissen der Einfachheit halber „sten(e)“

grosse Steine mit mindestens einem Meter Durchmesser heissen – und das ist nicht mehr ganz so einfach –

„kæmpestene“ und das bedeutet Riesensteine.

Aus Riesensteinen kann man Riesenhügel machen, die heissen dann „kæmpehøje“ oder wie in Schweden auch „dysse“. Weil sie früher eigentlich Gräber waren heissen sie südlich des Fehmarnbelts Hünengräber.

Diese dysse stehen in der Landschaft und auf den Feldern herum, z.B bei Flintinge und der sieht in meinem Kritzelheft so aus:

Und weil ich gerade in meiner Postkartengestaltungsphase, bin habe ich ihn auch für einen Postkartenentwurf hergenommen. Da ist er:

Der Entwurf ist zugegebenermassen etwas klein, aber die fertige Karte wird natürlich normal gross.

Ein schönes Motiv ist auch die Möwe, die ein Nickerchen am Hafenboller hält, schliesslich ist Samstag auf Lolland:

Um wieder zum Anfang zu kommen, es gibt jede Menge kleiner Steine ( lille stene), die wunderschöne Maserungen und Einschlüsse habe. Am Anfang habe ich immer ein paar besonders schöne aufgehoben und mitgenommen, bis ich merkte, dass ich immer noch schönere finde und ich sie eigentlich gar nicht brauche.

Aber für kæmpestene habe ich mir was ausgedacht. Um die Felder zu begrenzen oder um sie einfach aus dem Weg zu haben stehen mehr als meterhohe Steine am Strassenrand. Nicht weit von unserem Haus steht einer den ich bald mit Hammer und Meisel verschönern werde. Hier der Entwurf:

Wenn ich mal Zeit habe. Schliesslich ist heute Samstag auf Lolland.

Weil in DK allgemein die 37-Stunden-Woche gilt, arbeitet der Däne am Freitag nachmittag  bis 14 h, meistens aber nur bis 12 h. Es geht generell etwas weniger hektisch zu, nicht nur auf  Lolland. Kaffeepausen werden  strikt einegehalten, und oft  mit wienerbrød ( in D wiederum als Kopenhagener Plunder bekannt) unterlegt.

Die Arbeit fängt so gegen halb acht an, um 10 h ist Kaffeepause, das Mittagessen heisst nicht etwa middag, sondern frokost und besteht aus vielseitign und appetitlich belegtem Vollkornbrot, dem smørrebrød. Nachmittag ist dann um halb drei wieder Kaffeepause und spätestens um 4 h ist Schluss. Das Abendessen zuhause heisst aber middag.

Nach dem Kaffeetrinken bedankt man sich bei dem der das wienerbrød mitgebracht hat und sagt: Tak for kaffee. Worauf der sagt: Velbekomme. Oder bescheidener: Det var så lidt (Das war so wenig.)

Generell bedankt man sich viel öfter als in D. Für eine Einladung oder ein Essen bedankt man sich am nächsten Tag noch einmal und sagt: Tak for i aften (Danke für gestern abend), worauf die Antwort kommt: Det var så hyggelig. (Das war so – nein nicht hügelig – sondern gemütlich.)

Leider spricht der Däne seine Sprache nicht wie seine nordischen Brüder in Schweden und Nowegen in etwa so aus wie er sie schreibt,  das Verständnis anfangs etwas erschwert. Der Füne und Lolländer setzt aber immer  nch einen Schwierigkeitsgrad drauf .Während der Kopenhagener noch für „God dag“ noch reichsdänisch (rigsdansk) Goddää sagt, sagt der Lolländer nur noch „dau“, und auch zu dem eigentlich gut lesbaren Wort fagværk für Fachwerk, sagt er nur Fauweer. Ich habe das anfangs als VW-er (Volkswagen in der Mehrzahl)  verstanden.

Inzwischen haben sich meine Ohren und Hirnzentren schon darauf eingestellt, und auf die täglich mehrmals gestellte Frage:Hvårnår få vi øl? (Wann kriegen wir Bier?), sage ich flott: Ikke mer så lang. (Nicht mehr so lang)


Wie ihr sicher alle nicht wisst, wohne ich jetzt auf Lolland im Königreich Dänemark. Es heisst Königreich obwohl es von einer Königin regiert wird, Margarete II., sie raucht Zigaretten der Marke Karelia und vor Jahren verschwand ihr Dackel Zenobi auf Nimmerwiedersehen in einem Fuchsbau.
Lolland ist die südlichste Insel DKs, gleich nördlich von Fehmarn, eine 3/4 Stunde Fährzeit entfernt. Im Westen, wo Lolland von der Insel Falster nur durch den Guldborgsund getrennt ist, liegt die kleine Stadt Saksköbing und etwas südlich davon Schloss und Gut Krenkerup. Das gehört dem Grafen Patrick Reventlow-Grinling und seiner Frau Camilla. Weil wir aber in Dänemark sind heisst der Graf nicht Herr Graf sondern nur Patrick und gleichermassen seine Frau nur Camilla. Denn in DK sagen alle du zueinander und reden sich mit Vornamen an, nur o.a. Königin Margarete wird mit Sie angeredet. Ich habe sie aber bisher noch nicht getroffen geschweige denn angesprochen ( obwohl mein dänisch schon gut genug wäre), aber ihre Yacht habe ich schon vorbeifahren sehen.

Patrick hat grosse Ländereien, wo er u.a. Gerste anbaut, aus der man gutes Malz machen kann. Maritimes Klima ist nämlich gut für Braugerste, müsst ihr wissen. Patrick dachte einen Schritt weiter und kam zu dem Schluss, dass wer gute Braugerste für gutes Malz machen kann, auch gutes Bier machen könnte. Dazu braucht man eine Brauerei und er kaufte sich eine. Bei Kaspar Schulz in Bamberg, ein nicht zu kleiner aber sehr feiner Brauereimaschinenhersteller.

Reinharda582

Links: Das Sudhaus

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Gär- und Lagertanks im alten Gebälk

Weil eine kleine und sehr feine Brauerei einen ebensolchen Braumeister braucht und ich gerade neugierig meine Nase zum Fenster herausstreckte wurde ich eingeladen mitzumachen. Als Entgelt gibt es dänische Kronen.
Die Brauerei ist allerdings noch nicht ganz fertig, in ca 3 Wochen können wir die Reinigungssude und dann den ersten Hopfensud machen (damit die Gefässe) das Hopfenaroma annehmen) und danach geht das erste Einmaischen los.
Und hiermit endet mein erster Beitrag im blog, weil das Fussballspiel gleich losgeht.