Ein weiterer Sonntag auf Lolland. Der Herbst kündigt sich unübersehbar an, die Tage werden merklich kürzer, der Wind fegt über die unendlichen Stoppelfelder vor dem Haus und rauscht im Wald hinter dem Haus.

Und genau rechtzeitig zum Herbst wurde auch das Erntebier fertig. Am Donnerstag habe ich die erste Charge, ca 25 hl (= 2500 ltr) filtriert und um die Fassfüllanlage auszuprobieren, gleich mal 5 kleine Fässer abgefüllt. Das Bier erfreut sich eines regen Zuspruchs (und es schmeckt auch ausserordentlich gut) , am kommenden Freitag ist auf Krenkerup Gut das Ernteabschlussfest, da müssen noch ein paar mehr Fässer abgefüllt werden.

120 hl Pilsner habe ich auch schon in den Lagertanks und was man nach 2 Wochen Lagerzeit sagen kann ist (in meinen Worten): Öha, sauber, nicht zu verachten, dabei sollte man länger verweilen.

Seit letzter Woche gärt und blubbert das Weissbier vor sich hin und verbreitet ein verführerisch-herzzerreissenden Duft, der meilenweit von dem Erdinger-Franziskaner-Plempel entfernt ist. Am Montag und Dienstag mache ich noch zwei weitere Weissbiersude und danach wird’s Zeit für Julebryg, das Weihnachtsbier. Es wird Bockbierqualität haben, also 6,0 – 6,5 % Alkohol, dunkelrotbraun glänzen und – so will’s der Däne gerne – nach Lebkuchengewürz duften.

Ich setze mal ein Bild rein, wo ich vor dem Sudkessel stehe und Hopfen – Hallertauer Nordbrauer – in den Sud gebe.

Sachte rieselt der Hallertauer Hopfen

Sachte rieselt der Hallertauer Hopfen

Auch im Leben von Frl Boria und ihrem Sandkastengefährten Ulrich hat sich wieder einiges getan. Die ganze Fülle eines unberechenbaren Lebens ist über sie hereingebrochen. Wie immer haben sie alle alle Unabwägbarkeiten des Schicksals mit einem Achselzucken gemeistert.

Es folgt der fünfte, sechste, siebte und achte Teil ( von geschätzten 523.)

5. Teil

Weil das Medizinstudium, das er inzwischen aufgenommen hatte um die tiefen Wunden im Bein seines Vaters zu heilen, Ulrich keinesfalls auslastete begann er – unendlich filgran – sich eine Modelleisenbahn aus einer Runkelrübe zu schnitzen. Sie lief mit Gleichstrom und konnte pfeifen und tuten und sogar kurze Strecken unter Wasser zurücklegen. Dafür entgleiste sie an jeder Weiche, die Ulrich aus steinhartem Mürbteig tausendstelmillimetergenau herausgefräst hatte. Als die Zeit gekommen war, um zu promovieren, und Ulrich durch seine Doktorarbeit einmal eine Minute lang abgelenkt war ( der Kugelschreiber war ihm heruntergefallen) fuhr der hinterhältige Grasfrosch mit dem Runkelrübenzug auf und davon. Wahrscheinlich – vermutete Ulrich seufzend – fuhr er in die weite Welt hinaus. In Wirklichkeit jedoch nur bis zur nächsten Weiche.

Ulrich, jedoch, promovierte wieder einmal spielend mit suma cum laude mit folgender Arbeit: „Über die Vernachlässigbarkeit von Brandlöchern in den vorderen linken und rechten Stirnlappen.“

Eine Arbeit, die in Fachkreisen für viel Aufsehen sorgte. Ulrich wurde von Seminar zu Seminar, und von Kongress zu Kongress durchgereicht, was ihn zeitlich so in Anspruch nahm, dass er – wie er sich schmunzelnd eingestehen musste – sowieso kaum Zeit gehabt hätte, mit seiner Modelleisenbahn zu spielen.

6. Teil

Nachdem Ulrich der Job als Landwirtschaftsminister eines grossen mitteleuropäischen Landes ( unter der harten Knute der eisernen Kanzlerin A. v. M.) zu langweilen begann, liess er sich – während der Dienstzeit! – zum Vorwerck-Vertreter umschulen. Das erwies sich als schwieriger als erwartet. Obwohl sein Schreibtisch, seine Aktenablage, seine Konferenzsesselgarnitur, seine Kreissäge, seine Blechstanze, sein Hammerwerk- kurz, sein gesamtes Ministerialbüro – mittlerweile von einer fingerdicken Staubschicht bedeckt war, gelang es Ulrich nicht, auch nur ein Gran Staub einzusaugen. Seine Sekretärin, Frl. Doria, die gleichzeitig sein vielbestauntes Kebsweib war, brachte ihn mit ihrem Vorschlag, erst einmal Steckdosen im Ministerium zu installieren, einem erfolgreichen Staubsaugervertreterkursusabschluss einen beträchtlichen Schritt näher. ( Und Ulrich konnte am Ende als Lehrgangsbester ein weiteres goldumrandetes Diplom einheimsen.)

Da das Landwirtschaftsministerium in einer riesigen Staubwolke verschwunden war und auf Monate hin unauffindbar blieb, hatte Ulrich Zeit, auf Wanderschaft zu gehen und Staubsauger, Beutel, Saugdüsen sowie weiteres Zubehör, das sich einigermassen passgenau aus Runkelrüben schnitzen liess, vor den Haustüren der Nation anzupreisen

In der Praxis musste sich Ulrich erst noch bewähren, denn es fiel ihm schwer, den Schmerz jener Menschen zu verstehen, in deren handgeknüpfte Perser er zeitungsblattgrosse kahle Stellen fräste oder denen das Verschwinden ihrer Hauskatze im neuen Maxi-Power-Saug nicht egal war. Wenn er ihren Schmerz auch nicht nachvollziehen konnte, so bekam er doch grossen Respekt vor ihrer Wut.

7. Teil

Wegen seiner grossen Verdienste für die Reinheit der Nation wird Ulrich auf Betreiben der Kanzlerin ( Kanzlerin der Reinheit) an’s Finanzministerium versetzt. Da wird er – als Einserjurist – mit einer Reform des Verwaltungsapparats beauftragt, was gleichzusetzen ist mit der Aufgabe, den Kantinenwochenplan juristisch wasserdicht abzufassen. Bei dieser Aufgabe fällt Ulrich auf, dass dieses Jahr, bei unverändertem Verteilermodus, der wöchentliche Betriebsausflug zweimal nach Acapulco führen würde. Eine Wiederholung, die die entsetzliche Langeweile, die im Ministerium herrschte, auf ein unerträgliches Mass steigern würde. Als Ulrich die zweite Acapulco-Fahrt durch einen Radausflug in den Spreewald ersetzt, kommt es auf Abteilungsleiterebene zu fragenden Blicken, die leicht in offen geäusserte Kritik hätte umschlagen können. Bevor es jedoch zu tumultartigen Szenen wie lautes Türenknallen und Papierkorbtreten kommen konnte, gebot Ulrich dem mit einem ruckartigen Heben und langsamen Senken seiner Augenbraue Einhalt.

Ulrich hatte ja – wie bekannt – die Jagdgehilfenprüfung mit einem Schnitt von 4,49 klar bestanden, und war somit berechtigt, ständig zwei geladene, grosskalibrige Waffen mit sich zu führen. Zahlreiche Einschüsse in Decken und Wänden des Ministeriums zeugten davon, dass Ulrich dieses Recht die Waffen zu führen, eigenhändig um das Recht erweitert hatte, die Waffen bei jeder Gelegenheit auch auszuprobieren. Aus alter Gewohnheit hatte er in jedem Stiefelschaft 2 scharfgeschliffene Wurfmesser stecken, im Gürtel steckte ein ellenlanger Ochsenziemer und der Stachelstern seines Streitkolbens, den er hinter sich herschleift, hatte schon zehentiefe Rillen im Walnussparkett der Ministeriumsflure hinterlassen.

8. Teil

Frl. Boria lag wieder einmal völlig desorientiert auf dem weichen Rasen beim Seerosenteich. Mit einem Unbekannten hatte sie Täler und Höhen des ewigen Spiels von Mann und Frau durchschritten. Von den Gipfeln höchster entfesselter Rattigkeit hinunter in die Täler tiefster Leidenschaft und wieder sanft hinübergleitend zu den rosa Hügeln schmachtender Romantik.

Der Fremde, der sich im kurzen Moment höchster Wollust knapp als „Steineier“ vorgestellt hattte, hatte eine lächerlich kleine Brille auf und selbst noch in den abklingenden Zuckungen eines für ihn wohl schmerzhaften Orgasmusses hielt er die Augenbrauen zu einem eulenhaften Glotzen hochgezogen.

Als sie nach 6 Stunden anfing des Liebesspiels überdrüssig zu werden, stellte Frl. Boria dem nun unerwünschten Gast die üblichen Forderungen. Aber auf erstens, bring mir eine Schlosspackung Staubsaugerbeutel, hatte er weinerlich geantwortet, das könne er nicht, die halte seine Frau, die hochgeschätzte Frau Steineier, unter strengster Verwahrung, und auf zweitens, bring mir den Kopf von Angela Kanzlerin von Merckel, war er wimmernd zusammengebrochen und mit angstverzerrtem Gesicht, tränenüberströmt, geflüstert: Das traue er sich nicht!

Ach, seufzte sie wehmütig, während sie wieder in ihre weisse Latzhose schlüpfte, wie so ganz anders hätte ihr Sandkastengefährte Ulrich reagiert.

Als Steineier nicht aufhören wollte, hemmungslos zu wimmern und bereits anfing sich mit blossen Händen ein Rasengrab zu schaufeln, kramte sie aus ihrem Botoxpompadour eine gefüllte 10 ml-Spritze hervor und vergrösserte seine dünnen Lippen auf das Dreifache. Nun passten sie für einen – wenn auch kleinen – Lippenpflock, den sie seit Jahren in ihrem Lippenpflockpompadour mit herumschleppte. Und auf Stimmigkeit der gesamtpersönlichen Erscheinung bedacht, flocht sie ihm aus Schilf vom Seerosenteich ein Ton in Ton gemustertes Penisfuteral – 2 Meter lang – , das sie ihm sogleich anlegte.

Nicht ohne Interesse, wenn auch distanziert, schaute sie dann zu, wie er im Gras nach seiner klitzekleinen Brille suchte und dabei immer wieder über sein Penisfuteral stolperte oder gar darauf herumtrampelte. Und als ihm seine Leibwächter dabei helfen mussten, – mit dem Futeral, aber ohne Hose – auf den Rücksitz seiner Dienstlimousine zu klettern, gelang es ihr gerade noch ein Gähnen zu unterdrücken. Es gelang ihr jedoch nicht mehr, als sie ihm beim Wegfahren kurz nachwinkte.

Dann wandte sie sich wieder voller Hingabe der Tätigkeit zu, bei der sie durch die Ankunft des Fremden unterbrochen worden war: Dem Polieren und Wienern einer leeren Sauerkrautdose, die zufälligerweise die Grösse von Angela Kanzlerin von Merckels Kopf hatte.

Tja, so spielt das Leben. Ob auf Lolland oder anderswo ….

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